Was man zum Wohnen im Hausboot wissen sollte

von Meryem Unsöld, Senior Kundenbetreuerin

Viele Menschen träumen davon, in unmittelbarer Nähe zur Natur zu leben. Eine Möglichkeit, das wahr zu machen ist, auf ein Hausboot zu ziehen. Typischerweise mit den Niederlanden assoziiert, breitet sich der Trend des Hausbootlebens langsam, aber sicher auch in Deutschland aus. Doch wann macht es Sinn, sich für ein Hausbootleben zu entscheiden?


Das Foto zeigt eine Familie auf einem Hausboot. Es sind Mutter, Vater und zwei Töchter zu erkennen. Das Hausboot liegt aktuell an einem Steg.

Ganz nach dem Motto „Weniger ist mehr“ haben in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen das Leben auf einem Hausboot für sich entdeckt. Der minimalistische Ansatz, der mit dem Hausbootleben einhergeht, übt dabei eine beondere Anziehung aus: Auf begrenztem Raum werden nur die notwendigsten Dinge benötigt und der Besitz muss auf das Wesentliche reduziert werden - das Leben wird simpler. Aber auch die Nähe zur Natur ist ein Grund, warum sich immer Menschen dazu entschließen, dem teilweise beengten Wohnen in der Stadt zu entfliehen. Jeden Tag erwacht man mit dem der Natur direkt vor dem Fenster. Die Umgebung eines Hausbootes bietet eine Vielzahl von malerischen Eindrücken: idyllische Flüsse, ruhige Seen und beeindruckende Küstenlandschaften.

Trotzdem, das Leben auf dem Hausboot ist nicht jedermanns Sache. Es gibt einige Faktoren sowie Vor- und Nachteile, die sie bei der Entscheidung für oder gegen das Leben auf dem Hausboot berücksichtigen sollten.

Vor- und Nachteile

Jeder Mensch trifft seine Entscheidung basierend auf bestimmten individuellen Vorlieben und Bedürfnissen. Während für manchen schon die Nähe zur Natur vollkommen ausreicht, um glücklich zu sein, brauchen andere das lebhafte Stadtleben.

  • Mögliche Kostenersparnisse: Die Wohnkosten sind im Vergleich zu einer Immobilie in der Stadt oft günstiger. Zudem können Sie durch die Nutzung von erneuerbaren Energie Ihre Energiekosten reduzieren.
  • Energieeffizienz: Nur bei der Nutzung von Solarenergie oder Wasserkraft statt herkömmlichem Strom.
  • Mobilität: Mit dem Hausboot ist es einfacher, den Standort zu wechseln. Dadurch können Sie schnell und leicht eine Vielzahl an Ortschaften besuchen.
  • Einzigartige Lebensweise: Das Freiheitsgefühl, die Romantik und die Besonderheit, auf dem Wasser zu leben, können Menschen mit Sehnsucht nach Abenteuer jeden Tag aufs Neue erfüllen und begeistern.
  • Naturnähe und Landschaftserlebnis: Es bietet die Möglichkeit, atemberaubende Sonnenaufgänge und -untergänge zu genießen, die Vielfalt der Tierwelt zu beobachten und dem Stadtleben zu entfliehen.
  • Platzbeschränkungen: Hausboote sind in der Regel kompakt und erfordern Kreativität. Deshalb sollte man sich darüber informieren, wie man mit begrenztem Platz umgeht und ihn effektiv nutzt.
  • Abhängigkeit vom Wetter: Stürmisches Wetter kann kostspielige Maßnahmen erfordern, wie beispielsweise den Wechsel des Liegeplatzes, die Installation sicherer Ankersysteme und den Einsatz von hochwertigen, druck- und wasserfesten Materialien.
  • Infrastruktur und Dienstleistungen: Es kann Einschränkungen bei der Versorgung mit Strom, Wasser, Internetzugang oder anderen Annehmlichkeiten geben.
  • Rechtliche Vorschriften: Je nach Standort und Land können bestimmte Genehmigungen erforderlich sein und Regelungen gelten, die sowohl kostspielig als auch zeitaufwendig sein können.
  • Wartungs- und Reparaturkosten: Bei einem Hausboot können aufgrund der verstärkten Abnutzung verschiedene Reparaturkosten anfallen, beispielsweise für den Rumpf, das Antriebssystem, den Motor, die elektrische Sanitäranlage, das Deck und den Innenraum sowie für bestimmte technische Systeme.

 Viele dieser Vor- und Nachteile gilt nicht nur für das Hausbootleben, sondern auch für andere alternative Wohnformen wie das Wohnen in einem Wohnmobil oder einem Tiny House.

Tipp

Bevor Sie sich ein Hausboot zulegen, ist es ratsam, zunächst einen Urlaub auf einem Hausboot zu machen, um die Erfahrung aus erster Hand zu erleben.

Liegestellen für Hausboote

Das Foto zeigt vier Personen auf einem Hausboot. Sie sitzen an der Front des Bootes und umarmen sich. Das Boot ist noch mit Seilen an Pfosten festgemacht.

In Deutschland gibt es zahlreiche Liegestellen für Hausboote, sowohl in Binnen- als auch in Küstengewässern. Hier sind einige beliebte Orte:

  • Berlin bietet Liegestellen für Hausboote in der Rummelsburger Bucht, am Hafen Treptow, in der Marina Lanke und am Wannsee.
  • Die Mecklenburgische Seenplatte in Norddeutschland verfügt über verschiedene Liegeplätze für Hausboote, darunter die Marina Müritz in Waren, das Hafendorf Müritz in Rechlin, die Marina Eldenburg in Röbel und den Yachthafen Plau am See.
  • Cuxhaven verfügt über attraktive Liegeplätze für Hausboote, darunter den Segel- und Yachthafen Cuxhaven, den Amerikahafen Cuxhaven, den Sportboothafen Grimmershörn und die bekannte „Alte Liebe“.
  • Kiel bietet Liegestellen für Hausboote wie den Olympiahafen Schilksee, den Yachthafen Düsternbrook, den Kanalhafen Kiel und den Yachthafen Laboe.
  • Rostock bietet Liegestellen für Hausboote in der Citymarina Rostock, dem Yachthafen Hohe Düne, dem Yachthafen Warnemünde und der Marina Kühlungsborn.
  • Am Rhein, einem der längsten Flüsse Europas, können Sie Ihr Boot im Yachthafen Duisburg, dem Yachthafen Düsseldorf, der Marina Rhenania in Köln und dem Yachthafen Mainz ankern.

Das sollten Sie beim Kauf eines Hausbootes wissen

Ein kleines Sparschwein steht im Vordergrund. Im Hintergrund sitzen zwei Personen und tippen etwas auf einem Taschenrechner.
  • Bauart und Material: Hausboote können aus verschiedenen Materialien wie Stahl, Aluminium, Beton, Thermoplastes oder glasfaserverstärkten Kunststoffen hergestellt werden. Unterschiedliche Materialien haben unterschiedliche Eigenschaften und Wartungsanforderungen.
  • Motor und Antrieb: Der passende Motor wird je nach der Größe des Hausbootes und den individuellen Präferenzen eingesetzt. Deshalb ist es empfehlenswert sich über die Leistung, Wartungen und Kraftstoffeffizienz der Antriebe zu informieren.
  • Ausstattung und Annehmlichkeiten: Betrachten Sie Aspekte wie Heizung, Klimaanlage, Küche, Badezimmer und Schlafgelegenheiten.
  • Betriebskosten: Berücksichtigen Sie die Betriebskosten wie Treibstoff, Versicherung, Liegeplatzgebühren, Wartung und Instandhaltung.

Mit diesen Kosten muss man rechnen

Die genauen Kosten eines Hausbootes können je nach verschiedenen Faktoren wie Größe, Bauart, Ausstattung, Standort, Qualität und individuellen Bedürfnissen variieren.

gebrauchtes Hausboot

neues Hausboot

Der Preis für ein gebrauchtes Hausboot kann ab etwa 35.000 Euro beginnen. Bei gebrauchten Hausbooten sollte man immer eine gründliche Inspektion durchführen lassen, um den Zustand des Bootes zu überprüfen und mögliche Reparaturkosten einzuschätzen.

Ein neues, maßgeschneidertes Hausboot ist teurer. Der Preis für ein neues Hausboot kann bei etwa 150.000 Euro oder höher beginnen.

Benötige ich einen Führerschein?

Für den Betrieb eines Hausbootes auf bestimmten Binnengewässern, wie Flüssen, Kanälen und Seen, ist in der Regel der Sportbootführerschein Binnen (SBF-Binnen) erforderlich. Auf Seeschifffahrtsstraßen wie der Nord- und Ostsee benötigen Sie den Sportbootführerschein See (SBF-See). Für weitere Informationen zu den spezifischen Anforderungen und Voraussetzungen für den Erwerb eines Führerscheins für Hausboote in Deutschland empfiehlt es sich, beim Deutschen Motoryachtverband (DMYV)(öffnet in neuem Fenster) nachzuschauen.

Ist ein Hausboot eine Immobilie?

Das Foto zeigt eine Nahaufnahme einer Hand die auf der Tastatur eines Laptops liegt. Der Laptop steht auf einem Schreibtisch. Außerdem liegt ein Notizbuch und ein Stift im Vordergrund.

Bei einer Immobilie handelt es sich um ein unbewegliches Eigentum, wie Häuser, Gebäude oder Wohnungen. Bei Wohnformen auf dem Wasser unterscheidet man zwischen zwei Arten: Floating Homes und Hausboote. Floating Homes sind in der Regel fest verankerte Wohnstrukturen auf dem Wasser, die als dauerhafte Wohnhäuser dienen. Sie besitzen keinen Motor. Hausboote hingegen sind in erster Linie als motorisierte Sportboote konzipiert, die als Wohnraum genutzt werden können. Deshalb kann ein Floating Home als Immobilie betrachtet werden, ein Hausboot jedoch nicht.

Gut zu wissen

Im Vergleich zu einer Immobilie fallen bei einem Hausboot einige rechtliche Aspekte weg:

  • Grundbuch
  • Notar
  • Grundsteuer

Finanzierung eines Hausbootes

Da Hausboote nicht als Immobilie zählen, kann eine Kapitalbeschaffung auf einer bereits bestehenden Immobilie in Deutschland Sinn machen. Die Konditionen hierfür sind zwar günstiger als die für Ratenkredite, allerdings muss eine Grundschuld auf der Immobilie eingetragen werden. Die Immobilie sollte dabei am besten lastenfrei oder die Restschuld im Verhältnis zum Objektwert sehr gering sein. Falls Sie Ihr Wunsch-Hausboot so finanzieren möchten, holen Sie sich gerne Angebote für eine mögliche Immobilienfinanzierung oder einen Ratenkredit. Je höher der Eigenkapitalanteil ist, desto bessere Konditionen können in der Regel erzielt werden. Üblich und ratsam sind ein Eigenkapitalanteil von 20 % bis 30 % des Kaufpreises.

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